Larrivee Gitarren im Test: Understatement Pur!

Larrivee Gitarren

Larrivee Gitarren sind Understatement pur. Zunächst stehen sie im Geschäft neben beliebigen anderen Instrumenten und sind erst einmal nur Gitarren.

An der Form des Cutaways ein erster Hinweis; bei genauerem Hinsehen offenbart sich die herausragend gute Verarbeitung. Dann, einmal in der Hand, lädt sie zum Anspielen ein und offenbart ihre Herkunft...

Introduktion

Laut einer OECD-Studie zählt Vancouver zu den drei beliebtesten Städten in der Welt, wenn es um Lebensqualität und persönliche Chancen geht. Hier gründete Jean L'Arrivee – die offizielle Schreibweise des Unternehmens ist Larrivée, im Deutschen wird häufig auch das einfachere Larrivee verwendet - im Jahr 1967 eine kleine Firma zum Bau von Musikinstrumenten.

Er ging verschiedenen Lösungsansätzen nach, den Klang seiner Gitarren zu beeinflussen. Die einfachste Idee sollte sich später als die erfolgreichste herausstellen. So unterscheiden sich einige Modelle von Jean L'Arrivee von anderen Akustikgitarren markant in der Form des Bodys. Vor allem der florentinische Cutaway, sonst eher gesehen bei E-Gitarren, sowie der Maccaferri-Cutaway bei den LSV-Modellen, machen den Unterschied. Und das nicht nur äußerlich.

Die Verkleinerung des Resonanzraumes bewirkt im Zusammenspiel mit der Auswahl der Tonhölzer eine teils signifikante Veränderung des Klanges. Dieser Unterschied fällt im direkten Vergleich zu anderen Gitarren in der Tat frappierend aus und ist einer der Gründe, weshalb Larrivee Gitarren einen so guten Ruf besitzen.

Und vielleicht hört man es jeder L'Arrivee auch ein bisschen an, dass man in Vancouver einfach eine Spur zufriedener lebt als in anderen Großstädten dieser Welt, und daher wohl auch ein Stück gelassener. Larrivee Gitarren könnten den Soundtrack dazu liefern.

Soundcheck

Zu den Endorsern des kanadischen Gitarrenherstellers zählen unter anderem Tony Franklin, John Hiatt, Chuck Floyd und Ed Robertson. Ebenso auch der im Jahr 2007 verstorbene Georg Danzer und – es lebe der Sport! - der Österreicher Rainhard Fendrich, der aber auf seiner Homepage - schon witzig irgendwie - mit einer Gibson abgebildet ist. Jedenfalls lässt sich anhand der hier aufgeführten Künstler schon erahnen, für welche musikalischen Gattungen L'Arrivee Gitarren vorwiegend verwendet werden.

Es sind die meist leisen Töne, die eine L'Arrivee so groß machen. Und da ist es wieder, dieses Understatement, denn die L'Arrivees benötigen keine protzigen 100.000 Watt, um sich klanglich zu entfalten. Es sind vor allem die Akustikgitarren, die vorzugsweise auch gern unplugged gespielt werden und dennoch eine Brillanz in den Höhen, ausgewogene Mitten und dezent wahrnehmbare Tiefen ins Publikum tragen. Und sollte ein Sprachwissenschaftler nach einer neuen Definition des Wortes Ausgewogenheit suchen, könnte er ja mal bei L'Arrivee nachfragen.

Material & Preise

L'Arrivee verwendet zumeist sehr edle Hölzer für die Fertigung seiner Gitarren. Am Beispiel der – leider sehr preisintensiven – L'Arrivee LV-10 liest sich das so: Boden und Zargen aus Palisander, massiv mit Multi-Layer Palisanderbinding. Hals aus Mahagoni, Griffbrett aus Ebenholz mit Ivorid Binding. Für die Griffbrett-Inlays spendiert L'Arrivee Deluxe Abalone und für den Steg gibt es Ebenholz mit Abalone Inlays.

Das entlockt dem Fachmann ein entzücktes "Wow!", was aber auch für den Preis gilt, denn der liegt bei rund 4.300 Euro. Dazu sagt der Volksmund so treffend: So was kommt von so was.

Es gibt aber auch verhältnismäßig günstige Gitarren des kanadischen Anbieters, so zum Beispiel die Larrivee D-03 für knapp 1.200 Euro, die sich weder in Sachen Ausstattung noch vom Material her verstecken muss: Massive Fichtendecke, Boden und Zargen aus massiver Sapele, Mahagoni-Hals, Griffbrett und Steg aus Ebenholz plus DieCast Chrom-Mechaniken.

Made by... L'Arrivee

Entgegen der von den Mitbewerbern oft mit dem Preisdruck begründeten Verlagerung der Produktion nach Asien oder Indien geht man bei L'Arrivee einen anderen Weg: Produziert wird nach wie in Kanada und den USA, was das Image des Gitarrenherstellers noch steigerte.

Zudem werden die Larrivee Gitarren nicht am Fließband hergestellt; der Produktionsprozess wird von Handarbeit dominiert. Das macht eine Larrivee Gitarre zwar teurer, aber wegen ihrer herausragenden Qualität auch so beliebt.

Schlussakkord

Neulich im Instrumentenfachgeschäft: Eine junge Frau streift wahllos an einer Reihe Akustikgitarren vorüber, bleibt dann vor einer stehen, liest das Firmenschild und sagt strahlend zu ihrem Begleiter: "Larrivee – wie gut das klingt!" Stimmt. Und das trifft nicht nur auf den Firmennamen zu.


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