Marcus Miller V7 Bassgitarre im Test

Die Marcus Miller V7 ist bisher eine der wenigen Bassgitarren, die wir uns auf Gitarrenguide näher angeschaut haben. Und das mit gutem Grund. Lesen Sie selbst!

Wenn ehemals erfolgreiche Fußballprofis ins Trainergeschäft wechseln, muss das nicht automatisch den Erfolg für die gecoachte Mannschaft nach sich ziehen - was in der Vergangenheit diverse Fußballgrößen auch bereits eindrucksvoll bewiesen haben. Was aber passiert, wenn sich ein erfolgreicher Musiker am Instrumentenbau versucht? Schauen wir uns das doch am Beispiel des amerikanischen Bassgitarristen Marcus Miller und seiner V7 an.

Marcus Miller V7 Introduktion

Miller, Jahrgang 1959, ist bereits zu  Lebzeiten eine Legende. Die musikalische Begabung scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein. Der Vater verdient sein Geld als Pianist und Organist. Der Onkel, Wynton Kelly, ist ein erfolgreicher Jazzmusiker. Folgerichtig erlernt Marcus Miller bereits im Kindesalter verschiedene Instrumente und studiert später Musikerziehung. 

Als Solokünstler erringt er erste Erfolge. Er schreibt Filmmusiken und arbeitet im Studio für Größen wie Roberta Flack, Aretha Franklin, Luther Vandross, David Sanborn, Jean Michel Jarre, Bobby McFerrin und Al Jarreau, der sich begeistert zeigte von der Geschwindigkeit und Genauigkeit, mit der Miller seine Bassparts einspielte. 

Anfang der 1980er Jahre dann der Durchbruch: Marcus Miller spielt Bass in der Miles Davis Band und produziert für Davis dessen Alben „Tutu“ (1986) und „Amandla“ (1989). Doch damit nicht genug - Multitalent Miller spielt 1987 auf dem Miles Davis Album „Siesta“ nahezu alle Instrumente und programmiert die Drums. Das erinnert ein wenig an Mike Oldfield, der im Studio auch fast alle Instrumente selbst spielt: „Wenn ich es selbst mache, weiß ich, dass es so wird, wie ich es haben will.“

Im Jahre 2002 gewinnt Miller den Grammy für das beste zeitgenössische Jazz Album. Zu dem wird er in Jazzkreisen für den von ihm maßgeblich geprägten Slapstil geschätzt, dem Anschlagen der Saite mit dem Daumen, wodurch der erzeugte Klang sehr perkussiv wird. In Würdigung seiner Leistungen widmete Fender ihm einen E-Bass, den Marcus Miller Jazz Bass.

Partnerschaft mit Sire

Und dann beschließt eben jener Marcus Miller, selbst Bassgitarren herzustellen. Die sollten hochwertig und möglichst preisgünstig sein. Zur Umsetzung seines Vorhabens sucht er einen kompetenten Partner und findet ihn im Instrumentenbauer Sire, einem erst seit 1998 auf dem Markt tätigen Unternehmen.

Und wer sich mit der Geschichte der Firma Sire beschäftigt wird feststellen, dass es im Grunde keinen besseren Partner für das ambitionierte Vorhaben Millers geben kann. Folgerichtig finden Miller und Sire zusammen. Nachzulesen für Interessierte unter 
sire-guitars.com/company-story.

Marcus Miller V7 Soundcheck

Marcus Millers Bässe klingen, wie Bässe klingen müssen. All seine Erfahrungen als Bass-Gottheit flossen in die V7-Modelle ein. Herausragend ist zweifellos die von ihm entwickelte „Marcus Heritage“-Elektronik, für die man übrigens zwei 9V-Blockbaterrien benötigt. 

Was die V7 kann, wird am besten veranschaulicht an der Marcus Miller V7 Alder-5 TS: Fünf Potenziometer – davon zwei Doppelpotis – unter anderem zum Steuern der Lautstärke, der Höhen und Tiefen, der Stereobalance sowie zum stufenlosen Anwählen des Frequenzbereiches, senden Töne in die Welt von dünn und behutsam wie aus dem 5. Obergeschoss bis ganz tief und fett hinunter in die Magengrube und zaubern einen so wuchtigen Bass in die Gehörgänge, dass man meint, damit Hochhäuser zum Einsturz bringen zu können.

Der Nachteil: Bei den schier unendlichen Einstellmöglichkeiten wird ein Anfänger schnell überfordert sein. Für Fortgeschrittene und Profis aber verkörpert diese Bassgitarre das klangliche Schlaraffenland!

Material

Für den Korpus verwenden Miller / Sire je nach Modell Sumpfesche, Erle und vereinzelt Mahagoni. Der Hals besteht aus Ahornholz, für die Decken werden Wölkchenahorn und Riegelahorn verbaut. Die Pickups - Marcus Super Jazz – sowie die Elektronik, „Marcus Heritage-3“, wurden vom Meister persönlich entworfen. Die Bedienknöpfe sind aus Plaste, was mit etwas schlechtem Willen als Makel gelten könnte. 

Produziert wird in Indonesien und in den USA. 

Modelle und Preise

Die V7 gibt es als vier- und fünfsaitige Bassgitarre, ebenso die V7 Vintage. Zum Zeitpunkt des Erscheinen dieses Artikels sind die Marcus Miller V7 4ST und 5ST sowie die Vintage-Serie in jeweils acht verschiedenen Modellen verfügbar. Die Preise für einen Marcus Miller Bass liegen je nach Modell und Händler zwischen 400 und 650 Euro, wobei sich die Vintage-Modelle an der oberen Grenze dieser Preisspanne bewegen.  

Made by...Marcus Miller

Wenn ein weltweit anerkannter und hochgeschätzter Bassgitarist wie Marcus Miller auf die Idee kommt, selbst Bässe zu entwickeln, muss man davon ausgehen, dass der Mann sehr genau weiß, was Bassisten wünschen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn allein das Modell V7 Swamp Ash-4 NT hat sich beim weltgrößten Instrumentenhändler nach dessen Angaben inzwischen bereits über 1.000 mal verkauft. Nicht schlecht für eine Bassgitarre, wenn man um die klangvollen Namen der Mitbewerber weiß!

Schlussakkord

Was Marcus Miller anfasst, wird zu Gold. Klingt irgendwie abgedroschen, stimmt aber. Der Mann ist musikalisch ein Experte und eine Legende zugleich. Er weiß, wie Bässe klingen müssen. Mit enormer Sachkenntnis gelingt Miller, dem Multitalent, der Spagat als Musiker und Instrumentenbauer grandios. Seine Bässe sind nicht unbedingt für Anfänger geeignet, die könnten allein schon mit der Bedienung der Elektronik überfordert werden.

Für alle Bassisten jenseits des Anfängerstadiums aber macht Miller in Sachen Preis-Leistungsverhältnis mit seinen Marcus Miller V7 Modellen eine klare Ansage. Und so soll als Fazit eine Frage diesen Beitrag abschließen: Kann es etwas authentischeres geben, als Bassgitarren von Marcus Miller?

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